Europarente

Du kannst was bewegen

Mitreden! Die Rente in Europa nicht der Versicherungslobby überlassen

Die Europa-Rente kommt

Die Europäische Union hat sich die Bekämpfung der Altersarmut auf die Fahnen geschrieben. Dafür hat die EU letztes Jahr die Einführung einer Europa-Rente oder Pan-European Personal Pension Product (PEPP) beschlossen, mit dem ein europäischer Binnenmarkt für Altersvorsorge geschaffen wird. Damit reagiert die EU auf eine sich wandelnde Bevölkerungsstruktur, neue moderne Arbeitsformen und die Digitalisierung. Mit der Europa-Rente setzt die EU ganz neue Massstäbe in Bezug auf Transparenz, Effizienz, Sicherheit und Flexibilität. Die Europa-Rente ist ergänzend zu den bestehenden nationalen Altersvorsorgesystemen.

Deine Meinung ist gefragt

Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) hat einen Vorschlag zur Umsetzung der Europa-Rente vorgelegt. Bis zum 2. März sind alle Interessierten und Betroffenen dazu aufgefordert, den Vorschlag zu kommentieren, Fragen zu stellen und alternative Vorschläge zu unterbreiten. Die Details findest du im ausführlichen Konsultationspapier hier(in Englisch).
Wir haben unten die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Du kannst dein Feedback direkt einreichen oder dich hier an der Diskussion beteiligen. Wir werden den Input dann auswerten und konsolidiert weitergeben. Vantik Gründer Til Klein wird als Mitglied des Expertenbeirats bei der Versicherungsaufsicht eure Interessen einbringen. Die Versicherungslobby hat sich schon in Stellung gebracht, um viele innovative Elemente (z.b. den Kostendeckel) noch zu verhindern. Wir finden, das Thema viel zu wichtig, um es der Versicherungslobby zu überlassen.

Zusammenfassung der wichtigsten Themen aus Verbrauchersicht

Digital zuerst

Die EU beabsichtigt eine wirklich moderne und vor allem zukunftssichere Altersvorsorge zu schaffen. Daher gilt für die neue Europa-Rente das Paradigma “digital zuerst”. Dies umfasst auch den Einsatz von neuen Medien wie Video und interaktive Elemente, um die Kunden zeitnah, bequem, zuverlässig und kosteneffizient zu informieren. Anbieter sind dazu verpflichtet, ihre Kunden zu beraten. Vor Vertragsbeginn sollen die Anbieter besonders über die Anlagemöglichkeiten und den Kapitalschutz informieren. Zur Auszahlungsphase sollen die Anbieter über die Auszahlungsmöglichkeiten informieren. Die PEPP-Verordnung erlaubt jedoch ausdrücklich eine vollautomatische oder eine halbautomatische Beratung (Bedarfs- und Bedarfsermittlung für den Ruhestand, Eignungsprüfung, personalisierte Projektionen). Der Online-Vertrieb, einschließlich automatisierter oder halbautomatisierter Beratung, soll dazu beitragen, Eintrittsbarrieren abzubauen, neue grenzüberschreitende Möglichkeiten zu schaffen und letztendlich die Kosten zu senken.

Vorvertragliche Produktinformation

Für jedes Produkt gibt es eine standardisierte Produktinformation oder Key Information Document (KID). Diese enthält alle Informationen, die erforderlich sind, um das Produkt, die Risiken, die Kosten, die potenziellen Gewinne und Verluste des Produkts zu verstehen und vergleichen zu können, bevor der Vertrag unterzeichnet wird. Es ist explizit kein Marketingmaterial. Die Produktinformation beantwortet die folgenden sechs Fragen:

  • Was ist das für ein Produkt?
  • Was sind die Chancen und Risiken?
  • Was passiert, wenn der Anbieter nicht auszahlen kann?
  • Wie hoch sind die Kosten?
  • Was sind die Anforderungen in meinem Land?
  • Wie kann ich mich beschweren?

Hier findest du zwei alternative Entwürfe, wie diese Produktinformation aussehen könnte (auf Englisch). Wie findest du die Entwürfe? Sind diese verständlich? Beinhalten diese alle relevanten Informationen?
Entwurf A
Entwurf B
Vantik’s Sicht: Mehr Information bedeutet nicht unbedingt mehr Transparenz. Das Dokument beinhaltet zu viele und zu komplexe Informationen. Dies wird dazu führen, dass die meisten Verbraucher dieses vollständig ignorieren werden, was zu weniger statt mehr Verbraucherschutz führt. Mit dem von der EIOPA ausgearbeiteten Vorschlag wird versucht, die regulatorischen Vorgaben aus der Verordnung umzusetzen. Wir ermutigen die EIOPA jedoch nachdrücklich, der EU-Kommission eine Anpassung der Verordnung vorzuschlagen. Wir empfehlen ein sehr leicht verständliches Dokument mit einer Seite (erste Ebene), mit dem der Sparer verschiedene Produkte verstehen und vergleichen kann. Dies kann von einem detaillierten Dokument (zweite Ebene) begleitet werden, das sich an Verbraucher und Experten richtet, die das Produkt genauer verstehen möchten.

Jährliche Kontostandsmitteilung

Du bekommst jährlich eine Kontostandsmitteilung (Benefit Statement) mit der Wertentwicklung deiner Einzahlungen und einer Projektion der zu erwartenden Rente. Dabei sollen die Auswirkungen von Garantien, Beiträgen, Inflation und Kosten auf die prognostizierte Rente berücksichtigt werden. Die Kontostandsmitteilung soll so gestaltet sein, dass du die tatsächliche Entwicklung mit der in der Produktinformation versprochenen Entwicklung vergleichen kannt. Hier findest du einen Entwurf der Kontostandsmitteilung (auf Englisch). Wie findest du den Entwurf? Ist er verständlich? Beinhaltet er alle relevanten Informationen?

Entwurf hier

Vantik’s Sicht: Das Dokument ist viel zu komplex und unverständlich. Es Bedarf einer radikalen Vereinfachung.

Kostenobergrenze

Eines der Hauptmerkmale des Basis PEPP ist eine Kostenobergrenze von 1% auf das angesparte Kapital pro Jahr. Dies beinhaltet alle Kosten für Verwaltung, Asset Management und Vertrieb. Die Kostenobergrenze sollte für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen und eine vollständige Transparenz der Kosten ermöglichen. Alle Zusatzleistungen (z.B. Zahlung im Todesfall) oder eine nicht erforderliche Kapitalgarantie werden nicht in die Kostenobergrenze einbezogen. Vantik’s Sicht: Wir unterstützen die Kostenobergrenze ausdrücklich. Wir empfehlen, die Kosten für den Kapitalschutz innerhalb oder außerhalb der Kostenobergrenze einheitlich zu behandeln (siehe unten).

Kapitalschutz

Das Basis-PEPP zielt darauf ab, das eingezahlte Kapital nach Abzug aller Kosten zum Zeitpunkt der Pensionierung zu erhalten. Abhängig von der Art des Kapitalschutzes gibt es zwei Arten von Basis-PEPP.

  • Für den Basis-PEPP mit Garantie (Typ 1) müssen die Anbieter gesetzlich sicherstellen, dass die PEPP-Sparer mindestens das investierte Kapital zurückerhalten.
  • Der Basis-PEPP mit anderen Techniken zur Risikominderung (Typ 2) muss mit dem Ziel vereinbar sein, dem PEPP-Sparer die Rückzahlung des Kapitals zu ermöglichen, ohne jedoch rechtlich zur Rückzahlung des Kapitals verpflichtet zu sein.

Nach dem aktuellen Vorschlag der EIOPA sind die Kosten eines Kapitalschutzes vom Typ 1 als Garantie nicht in der Kostenobergrenze enthalten, wohingegen die Kosten für einen Kapitalschutz vom Typ 2 mit anderen Risikominderungstechniken in der Kostenobergrenze enthalten sind. Vantik’s Sicht: Sowohl Garantien als auch alternative Risikominderungstechniken haben Kosten. Die Kosteneffizienz kann jedoch erheblich variieren. Alternative Risikominderungstechniken bieten möglicherweise ein ähnliches Maß an Sicherheit wie eine Garantie, jedoch zu wesentlich geringeren Kosten. Dies sollte für den Sparer transparent sein, um zwischen verschiedenen Sicherheitsstufen zu unterschiedlichen Kosten wählen zu können. Der aktuelle Vorschlag ist intransparent, sehr komplex und bevorzugt traditionelle Anbieter. Um gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter zu schaffen, ist es entscheidend, dass die Kosten für die unterschiedlichen Arten von Kapitalschutz gleich behandelt werden.

Nachhaltige Investitionen

Anbieter der Europa-Rente werden ermutigt, das gesamte Vermögen bzw. einen erheblichen Teil davon nachhaltig anzulegen, d.h. sogenannte ESG-Faktoren (Environmental, Social and Governance) bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen. Es gibt bisher aber keine Verpflichtung, dein Geld nachhaltig anzulegen. Inwieweit Nachhaltigkeitskriterien bei der Anlageentscheidung berücksichtigt werden, muss in der Produktinformation offengelegt werden. Vantik’s Sicht: Die EU-Kommission hat den Europäischen Green Deal proklamiert, um Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Ein Kernstück des Plans ist der Europäische Green Deal-Investitionsplan, mit dem im nächsten Jahrzehnt mindestens 1 Billion Euro für nachhaltige Investitionen in der EU bereitgestellt werden. Hier könnte die PEPP der Schlüssel zur Erreichung dieses Ziels sein. Daher schlagen wir vor, nachhaltige Investitionen für alle PEPPs verbindlich zu machen.

Produkt- und Anbieterwechsel

Alle Anbieter müssen ein Basis-PEPP als sichere und kostengünstige Standardoption anbieten. Wenn der Anbieter mehr als eine Anlageoption anbietet, kannst du spätestens nach fünf Jahren eine andere Anlageoption auswählen. Der Anbieter kann dir gestatten, deine Anlageoption auch häufiger zu wechseln. Außerdem kannst du den Anbieter spätestens fünf Jahren nach Vertragsabschluss oder nach dem letzten Wechsel wechseln. Der Anbieter kann dir gestatten, auch häufiger zu wechseln.

Grenzüberschreitende Portabilität

Sparer können ein PEPP Produkt weiter nutzen, wenn sie ihren Wohnsitz in einen anderen EU-Mitgliedstaat verlegen, indem sie entweder ein PEPP-Unterkonto bei demselben Anbieter in ihrem neuen Mitgliedsland eröffnen (falls diese Option bei ihrem PEPP-Anbieter verfügbar ist) oder weiterhin in ihr bestehendes Unterkonto einzahlen (aufgrund der unterschiedlichen Steuersysteme in den einzelnen Mitgliedstaaten verfügt der PEPP-Sparer über ein Unterkonto pro Land). Falls ihr Anbieter im neuen Wohnsitzstaat keine solche Option vorsieht, haben Sparer das Recht, den Anbieter sofort und kostenlos zu wechseln. Ein PEPP kann jedoch nur auf dem Gebiet der EU angeboten werden. In der Rentenphase können die Renten an einem anderen Ort ausgezahlt werden als am Ort, an dem das Produkt gekauft wurde.

 

 

Du findest das gesamte Dokument hier

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